Laut dem Statistischen Bundesamt gab es 2007 die niedrigste Anzahl an Krankheitstagen seit 1991. Seit damals sank die Zahl der durchschnittlichen Krankheitstage bei Arbeitnehmern von 12,7 auf 7,9 Tage.
Diesen recht hohen Rückgang um 38% könnte entweder an einer allgemein verbesserten Gesundheitslage liegen oder am Rückgang gesundheitsschädigender Arbeiten. Wahrscheinlicher ist aber die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes. Eine Umfrage der Unternehmensberatung Tower Watson im Jahr 2014 unter insgesamt 32.000 Arbeitnehmern (darunter 1000 deutsche) ergab, dass für deutsche Arbeitnehmer die Sicherheit des Arbeitsplatzes an oberster Stelle steht. Häufige Ausfälle wegen Krankheit, können ein Kündigungsgrund sein. Seit 2008 ist wieder ein leichter Anstieg der Krankheitstage zu beobachten. Besonders in wirtschaftlich schwierigen Zeiten gingen die Krankmeldungen zurück.
Was aber sagt das Arbeitsrecht? In welchen Fällen kann Krankheit zur Kündigung führen? Was muss man bei einer Krankmeldung beachten?
Hier sind die wichtigsten Fragen, die Sie sich als Arbeitnehmer im Falle einer einfachen und schwerwiegenderen Krankheit stellen müssen.

  1. Was müssen Sie bei der Krankmeldung beachten?
  2. Wo stehen Ihre Rechte im Krankheitsfall?
  3. Welche Leistungen erhalten Sie im Krankheitsfall?
  4. Wie lange bekommen Sie diese Leistungen?
  5. Was passiert bei einer schwerwiegenderen Krankheit?
  6. Wie viel Geld bekommen Sie im Krankheitsfall?
  7. Wie kommt es zu einer Kündigung im Krankheitsfall?

1.Was müssen Sie bei der Krankmeldung beachten?

Sie sind als Arbeitnehmer gesetzlich dazu verpflichtet Ihrem Arbeitgeber die Tatsache Ihrer Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer unverzüglich mit zu teilen. Das bedeutet, dass Sie bereits am ersten Tag der Arbeitsunfähigkeit in Ihrem Betrieb anrufen und Bescheid geben, wie lange Sie voraussichtlich krank sind. (siehe § 5 Abs.1 Satz 1 EFZG)
Dauert die Krankheit länger als 3 Tage, müssen Sie spätestens am nächsten Arbeitstag eine ärztliche Bescheinigung vorlegen.
Ihr Arbeitgeber kann die Entgeltfortzahlung verweigern, wenn Sie die ärztliche Bescheinigung nicht vorlegen. [siehe § 7 Abs.1 EFZG][http://www.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Gesetze_EntgeltfortzG_p7.html]
Sie trifft aber keine Schuld, wenn die Bescheinigung verspätetet eintrifft. Können Sie nachträglich Ihre Krankheit nachweisen, muss ihr Arbeitgeber Ihre Entgeltfortzahlung im Nachinhein bezahlen.

2.Wo stehen ihre Rechte im Krankheitsfall?

Arbeitnehmerrechte sind im Krankheitsfall u.a. im Gesetz über die Zahlung des Arbeitsentgelts an Feiertagen und im Krankheitsfall (Entgeltfortzahlungsgesetz - EFZG) geregelt.
Auch Tarifverträge, Betriebsvereinbarungen und natürlich der Arbeitsvertrag können Rechte enthalten.
Der Anspruch auf Entgeltfortzahlung bei Krankheit kann durch den Arbeitsvertrag nicht ausgeschlossen werden. Nur für freie Mitarbeiter und Selbstständige gilt diese Regelung nicht.

3.Welche Leistungen erhalten sie im Krankheitsfall?

§ 3 Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall
Wird ein Arbeitnehmer durch Arbeitsunfähigkeit infolge Krankheit an seiner Arbeitsleistung verhindert, ohne dass ihn ein Verschulden trifft, so hat er Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall durch den Arbeitgeber für die Zeit der Arbeitsunfähigkeit bis zur Dauer von sechs Wochen.
(siehe § 3 Abs.1 Satz 1 EFZG)

4.Wie lange bekommen Sie diese Leistungen?

Sofern ein Arbeitnehmer nach der Definition der Arbeitsgerichte krank ist, d.h.: „…regelwidriger Körper- oder Geisteszustand, der eine Heilbehandlung erforderlich macht.“, seine Arbeitsunfähigkeit alleine durch die Krankheit verursacht wird und kein grobes Eigenverschulden des Arbeitnehmers (z.B. Trunkenheit am Steuer) vorliegt, muss der Arbeitgeber 6 Wochen oder 42 Kalendertage die Entgeltfortzahlung leisten. Die Frist beginnt erst am nächsten Tag, wenn sie während der Arbeit erkranken.
Werden Sie nun wieder gesund und gehen Ihrer Tätigkeit wie gewohnt nach, haben Sie nach einem wiederholten Erkranken erneut den Anspruch der Fortzahlung über denselben Zeitraum.
Dauert Ihre Krankheit länger an, oder tritt eine andere Krankheit ein, während Sie noch die Fortzahlung der ersten 6 Wochen bekommen, ist Ihre Krankenkasse am Zuge und Sie können Krankengeld beanspruchen.
Beispiele finden sie hier.

5.Was passiert bei einer schwerwiegenderen Krankheit?

Erkranken Sie an einer schwerwiegenderen Krankheit, wie z.B. Krebs und sind infolge dieser Krankheit für 6 Wochen krankgeschrieben, haben Sie nach einem erneuten „Krankheitsschub“, der Sie arbeitsunfähig macht, keinen Anspruch mehr auf eine erneute Fortzahlung. In diesem Falle müssen Sie direkt Krankengeld beantragen. Eine Ausnahme besteht, wenn Sie mindestens 6 Monate zwischen dem ersten und dem zweiten Ausfall, wegen derselben Krankheit, gearbeitet haben.
Können diese 6 Monate nicht eingehalten werden, greift eine weitere Regelung: liegen zwischen dem ersten Arbeitsausfall und dem letzten insgesamt 12 Monate, kann die Fortzahlung für den letzten Ausfall wieder angefordert werden. Erkranken Sie also einmal im Januar 2014, dann wieder im Juni und Oktober desselben Jahres, gilt die 6 Wochen Regelung nicht. Erkranken sie dann wieder im Februar 2015, liegen zwischen Ihrer ersten Arbeitsunfähigkeit und der letzten mehr als 12 Monate. Hier greift diese Regelung und Sie haben wieder Anspruch auf eine erneute Entgeltfortzahlung ab Februar 2015.

Krankheitsrecht

 

6.Wie viel Geld bekommen sie im Krankheitsfall?

Im Normalfall erhalten Sie den vollen Betrag, den Sie auch nach abgeleisteter Arbeitszeit erhalten hätten.
Überstunden sind davon ausgenommen, können aber nach einem Tarifvertrag oder Ihrem Arbeitsvertrag geregelt sein. So kann es sein, dass Ihnen auch diese im Krankheitsfall zustehen. (siehe § 4 Abs.1a Satz 1 EFZG)
Aufwandsentschädigungen werden bei der Entgeltfortzahlung nicht berücksichtig, wenn Ihnen im Krankheitsfall diese Aufwendungen nicht entstehen. (siehe § 4 Abs.1a Satz 1 EFZG)

7.Wie kommt es zu einer Kündigung im Krankheitsfall?

Der Arbeitgeber kann Ihnen eine krankheitsbedingte Kündigung im Falle von erheblichen krankheitsbedingten Vertragsverletzungen aussprechen. Stehen Sie allerdings unter dem Kündigungsschutzgesetz (KSchG) braucht Ihr Arbeitgeber einen guten Grund für eine ordentliche wie auch eine außerordentliche Kündigung. Der Arbeitgeber kann aus drei Gründen wählen:

 

  • Die Kündigung aus Gründen der Person des Arbeitnehmers.
  • Die Kündigung aus Gründen im Verhalten des Arbeitnehmers.
  • Die Kündigung aus betriebsbedingten Gründen.

Krankheitsbedingte Kündigungen fallen unter a) – personenbedingte Kündigung. Ein guter Grund für den Arbeitnehmer ist: wenn Sie ihrer Tätigkeit krankheitsbedingt in Zukunft nicht mehr nachgehen können bzw. den Arbeitsvertrag nicht mehr erfüllen können. Rechtlich gesehen kann einem Arbeitnehmer, der unter dem KSchG steht aus diesem Grund trotzdem ordentlich gekündigt werden.
Ihr Arbeitnehmer kann Ihnen während ihrer Krankheit kündigen. Die Kündigung ist aber nur wirksam, wenn alle der drei folgenden Voraussetzungen gewährleistet sind:
Negative Gesundheitsprogonose: Tatsachen, die eine weitere Erkrankung des Arbeitnehmers in einem größeren Umfang belegen, müssen zum Zeitpunkt der Kündigung vorliegen.

Die erhebliche Beeinträchtigung der betrieblichen oder wirtschaftlichen Interessen des Arbeitgebers, durch die zu erwartenden Fehlzeiten des Arbeitnehmers, muss gewährleistet sein. Dieser Fall tritt dann ein, wenn eine Lohnfortzahlung zur großen Belastung für den Arbeitgeber werden könnte oder das Fehlen des Arbeitnehmers die betrieblichen Abläufe stark beeinträchtigt.
Interessenabwägung zu Gunsten des Arbeitgebers: Diese muss ergeben, dass dem Arbeitgeber unter Berücksichtigung aller Faktoren (Fehlzeiten vergleichbarer Arbeitnehmer, Dauer des Arbeitsverhältnisses, Krankheitsursachen und Lebensalter des Arbeitnehmers) die unter Punkt b) festgestellte Beeinträchtigung nicht mehr zugemutet werden kann.

Die krankheitsbedingte Kündigung kann auch ohne Abmahnung erfolgen. Für eine Krankheit kann man in der Regel nichts.
In der Rechtsprechung der Arbeitsgerichte werden vier Typen von Fallgruppen unterschieden:
Häufige Kurzerkrankungen: der Arbeitnehmer ist immer wieder für kürzere Zeit z.B. einige Tage oder wenige Wochen, krank, sodass es zu einem Ausmaß der Fehlzeiten kommt, die der Arbeitgeber nicht mehr hinnehmen muss. Dieser Kündigungsgrund ist nur dann legitim, wenn eine negative Gesundheitsprognose, eine Interessenbeeinträchtigung sowie eine Interessenabwägung vorliegen. Diese können in einzelnen Fällen voneinander abweichen.
Dauernde Arbeitsunfähigkeit: Wenn klar ist, dass der Arbeitgeber für nicht absehbare Zeit arbeitsunfähig bleibt. Hier liegen in der Regel alle drei Voraussetzungen für eine ordentliche Kündigung vor.

Lang andauernde Krankheit: mit einer dauerhaften Genesung ist aufgrund einer länger andauernden Krankheit nicht zu rechnen, auch wenn zum Zeitpunkt der Kündigung die Gesundheit des Arbeitnehmers nicht ausgeschlossen werden kann. Hier ist die Rechtsprechung nicht ganz klar, da unter dem Punkt der negativen Gesundheitsprognose nirgends rechtlich festgelegt ist wie lange die „voraussichtlich längere Krankheit“ dauern muss, damit eine Kündigung zulässig ist. Die Interessenbeeinträchtigung ist auch nicht unbedingt gegeben, da nach Ablauf der 6 Wochen der Arbeitgeber keine Entgeltfortzahlung mehr leisten muss. Kommt es aber zu organisatorischen Problemen wegen der begrenzten Einstellung von Ersatzarbeitskräften, kann schon eine erhebliche Interessenbeeinträchtigung vorliegen. Auch beim letzten Punkt der Interessenabwägung ist zu prüfen, ob dem Arbeitgeber die Situation länger zugemutet werden kann. Hier kommt es auch immer auf das Alter, die soziale Situation, die Dauer der Betriebszugehörigkeit, Unterhaltsverpflichtungen, Arbeitsmarktchancen etc. des Arbeitnehmers an.
Krankheitsbedingte Leistungsminderung: die Krankheit des Arbeitnehmers hindert ihn, auch wenn er am Arbeitsplatz erscheint, erheblich an der Erfüllung seiner Aufgaben. Hier ist eine Kündigung nur möglich, wenn der Arbeitnehmer z.B. nicht an einem anderen Arbeitsplatz eingesetzt werden kann. Eine Interessenbeeinträchtigung würde so nicht vorliegen und eine Interessenabwägung müsste, wie in den vorangegangen Fällen, im Einzelfall durchgeführt werden.
Eine krankheitsbedingte Kündigung ist unwirksam, wenn Ihr Arbeitgeber z.B. den Betriebsrat, vor Ausspruch Ihrer Kündigung, nicht angehört hat. Und natürlich, wenn die weiter oben genannten Punkte unstimmig sind oder nicht erfüllt werden. Näheres zu diesem Thema finden Sie hier.


Manchen Arbeitnehmergruppen kann nicht ohne weiteres gekündigt werden. Dazu gehören z.B. Schwangere oder Schwerbehinderte. Genaueres finden sie hier.

Mehr Informationen können Sie auf den folgenden Seiten finden*:
• Gesetz über die Zahlung des Arbeitsentgelts an Feiertagen und im Krankheitsfall.

Quelle: http://www.gesetze-im-internet.de/entgfg/index.html
• Fachanwaltskanzlei für Arbeitsrecht: http://www.hensche.de/ u.a. mit Sitz in Stuttgart

*Alle Angaben ohne Gewähr. Im Zweifelsfall und extrem komplizierten Situationen, sollten Sie immer einen Anwalt zu Rate ziehen.

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